Männerarbeit

Wann ist ein Mann ein Mann? 

Schon vor über 40 Jahren stellte Herbert Grönemeyer diese Frage – und bis heute tun wir uns schwer damit, eine einfache Antwort zu finden. Über Jahrzehnte hinweg bekamen Jungs die gleichen Sätze zu hören: „Reiß dich zusammen!“, „Ein echter Mann weint nicht!“ oder „Jetzt stell dich mal nicht so an!“ sind fest verankert in den meisten Männer-Gehirnen. Unter den Folgen leiden erwachsene Männer dann allerdings häufig – und ihre Umgebung vielleicht noch öfter. 


Hilfe anzunehmen bedeutet versagen, Gefühle zeigen zeugt von Schwäche, ein Mann muss funktionieren und hart sein. Was daraus folgt? Männer werden häufiger straffällig, suizidieren sich häufiger, fühlen sich oft einsam, haben eine höhere Suchtanfälligkeit und geben sich zudem seltener in Behandlung bei psychischen Problemen. Männer sind häufiger Täter: Femizide (Tötungen von Frauen aufgrund ihres Geschlechts), häusliche und sexualisierte Gewalt finden täglich statt. Skandale wie der Fall Giselle Pelicot in Frankreich oder Collien Fernandes in Deutschland erregen Aufmerksamkeit – doch löst dies noch keine Probleme. 


Früher Versorger und Familienoberhaupt – oder? 

Männlichkeit hat unheimlich viele Facetten, sowohl in der Gegenwart als auch historisch betrachtet. Zum Beispiel wurde der hochhackige Schuh von adligen Männern getragen und Poesie galt lange als männlich. Ebenso ist unsere Farbzuweisung für Kinder erst ca. 100 Jahre alt – zuvor galt Rot als stark und demnach Rosa, als die abgeschwächte Form, als die Farbe für Jungs. 

Das männliche Ideal des alleinigen Versorgers und Oberhauptes der bürgerlichen Familie ist jünger als man denkt – es entstand erst im 19. Jahrhundert. Frauen erkämpften sich schon bald darauf mehr und mehr Rechte und Unabhängigkeit. Dies führt dazu, dass Frauen heute keinen Mann mehr brauchen, der nur die Rolle des Versorgers kennt. Der Konflikt aus dem alten Rollenbild, das wir als Jungs lernten, und der Weiterentwicklung der Gesellschaft hinterlässt ein Vakuum, in dem viele Männer heute nicht mehr wissen, was und wie sie sein sollen. 


Gefühle und Bedürfnisse – ein ungewohntes Terrain

Das liegt unter anderem daran, dass Männer gelernt haben, ihre Bedürfnisse und Gefühle zu unterdrücken, um dem Ideal des harten, starken Mannes zu entsprechen. Um die eigene Persönlichkeit jedoch entfalten und entwickeln zu können, müssen diese Bedürfnisse und Gefühle erkannt und verbalisiert werden. Dies ist keine Frage des Charakters – es sind Fähigkeiten, die man erlernen kann und die das Leben in alle Richtungen beeinflussen: im Umgang mit sich selbst, in romantischen Beziehungen ebenso wie in Freundschaften und auch in der Arbeitswelt und der Stressbewältigung


Was folgt auf das Vakuum? 

Ein neues, modernes Bild von Männlichkeit kann in der Praxis nur beim Individuum gefunden werden. Weg von Rollenbildern und Vorlagen hin zum einzelnen Menschen. Es geht darum, herauszufinden, wer Sie sind und sein wollen – als Partner, Sohn, Vater, Chef, Kollege, Freund, kurzum: als Mann.
Um diese Frage beantworten zu können, müssen Sie lernen, zwischen alten Rollenmustern und eigenem Willen zu unterscheiden. Dieses Lernen kann anstrengend sein und unangenehme Gefühle wie Scham oder Schuld hervorbringen – ich begleite Sie dabei. 

Ziel unserer gemeinsamen Arbeit ist es, dass Sie frei und bewusst entscheiden können, wer und wie Sie sein möchten. Anstatt in Rollenbildern und Erwartungshaltungen zu stagnieren, entwickeln Sie Zugang zu Ihrem Inneren – und können Ihr persönliches Potenzial entfalten.


Kontaktieren Sie mich für ein kostenloses Erstgespräch.

Rollenbild der Frau
Natürlich gibt es auch bei der Persönlichkeitsentwicklung der Frauen spezifische Probleme zwischen anerzogenen Rollenbildern, gesellschaftlichen Erwartungen und versteckten Potenzialen oder dysfunktionalen Verhaltensmustern. Im Rahmen von Einzelsitzungen kann und muss auch das adressiert werden –  dass Männlichkeit hier als eigenes Schwerpunktfeld aufgeführt ist, hat zwei Gründe: Ich wurde erstens selbst als Mann sozialisiert und erzogen (und habe darunter gelitten) und glaube zweitens, dass Männerarbeit nicht nur für das Individuum, sondern auch für unsere Gesellschaft dringend notwendig ist.

Männlichkeit in Beziehungen

In (heterosexuellen) Beziehungen zeigen sich gesellschaftliche Rollenbilder auf noch mehr Ebenen und aus noch mehr Gründen. Die Anforderungen an Männer haben sich auch hier verändert: anstatt der alleinige Familienernährer zu sein, geht es heute häufiger darum, sich Care-Arbeit und Mental Load fair aufzuteilen, auf Augenhöhe mit der Partnerin Verantwortung zu übernehmen, auch mal der starke Mann und gleichzeitig liebevoll und feinfühlig zu sein.
Unsicherheiten und Zweifel vieler Männer zeigen sich ebenso auf sexueller Ebene. Dort sehen sie sich einem Spannungsfeld aus unrealistischer Erwartungshaltung durch Pornokonsum, Einfühlsamkeit gegenüber der Partnerin und sich selbst und dem Bewusstsein über eigene Vorlieben und Grenzen ausgesetzt. Sex wird dann schnell verkopft und verkrampft – und zum Problem. Melden Sie sich auch als Paar, um gemeinsam an einer tragfähigen und modernen Beziehung zu arbeiten.